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Behandlung schneller Herzrhythmen durch einen Defibrillator

Rhythmusregulierende Medikamente sind ähnlich wie bei Schrittmacherpatienten kaum geeignet, wiederkehrende Tachykardien dauerhaft zu behandeln. Häufig lösen sie zusätzliche Rhythmusstörungen aus, die einen Herzstillstand noch begünstigen können. Auch die Katheterablation, bei der bestimmte Areale des Herzens durch Hitze verödet werden können, ist nicht für alle Patienten einsetzbar.

Die besten Erfolgsaussichten, lebensbedrohliche ventrikuläre Rhythmusstörungen (Kammerflattern oder –flimmern) auszuschalten, bieten starke Stromimpulse eines  Defibrillators. Externe Defibrillatoren, die zur Standardausrüstung einer Intensivstation oder eines Notarztwagens gehören, sind den meisten gut bekannt. Außerdem gibt es sie inzwischen immer häufiger auch an öffentlichen Plätzen wie Flughäfen oder Bahnhöfen.

Seit Anfang der 80er Jahre gibt es implantierbare Defibrillatoren, die so klein sind, dass sie den Patienten in der Brust eingesetzt werden können. Dies hat die Überlebenschancen von Menschen mit wiederkehrenden Tachykardien deutlich verbessert.

Implantierbare Cardioverter Defibrillatoren (ICD), sorgen für eine lückenlose Überwachung des Herzrhythmus und sind notfalls in der Lage, lebensbedrohliches Kammerflimmern spontan und überall durch einen Hochenergieschock (Defibrillation) zu beenden. Durch die Schockabgabe wird die Herzaktivität praktisch kurzzeitig angehalten, um die Herzfrequenz in den normalen Takt zurück zu setzen. Anschließend schlägt das Herz wieder im normalen Sinusrhythmus weiter.

 

Welche Therapiemöglichkeiten hat ein ICD?

Jeder implantierbare Cardioverter Defibrillator (ICD) ist von außen über einen Programmierkopf konfigurierbar und kann im Rahmen der regelmäßigen Kontrolluntersuchungen ausgelesen und fortlaufend an den Patientenzustand angepasst werden. Mit Hilfe der Elektroden ist der Defibrillator (ICD) in der Lage, den Rhythmus des Patienten rund um die Uhr zu überwachen und zu erkennen, wann das Herz aus dem Takt gerät. Sobald der ICD eine Rhythmusstörung wahrnimmt, leitet er automatisch eine  passende Therapie ein, um die Rhythmusstörung zu beenden.

Dem ICD stehen hierfür verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung: die antitachykarde Überstimulation (ATP), die Kardioversion, die Defibrillation sowie die antibradykarde (Schrittmacher-)Stimulation.

Die mit wichtigste Therapieform ist die schmerzfreie antitachykarde Überstimulation. Das Prinzip der Therapie ist einfach:  Lebensbedrohlichem Kammerflimmern geht in der Regel zuerst Herzrasen voraus. Also kann der ICD versuchen, die Tachykardie durch schwache Impulse zu unterbrechen, die etwas schneller sind als der vorliegende Eigenrhythmus des Patienten selbst. Die Überstimulation hat den großen Vorteil, dass die Patienten sie gar nicht spüren und der Herzmuskel zugleich geschont wird.

Bei der Kardioversion, erfolgt die Energieabgabe durch den ICD genau dann, wenn sich die Kammermuskulatur anspannt. Die verabreichte Energie ist zwar höher als bei einfachen Stimulationsimpulsen, aber doch deutlich geringer als bei einer Schockabgabe. Da die Kardioversion aber nicht immer Erfolg verspricht und dabei trotzdem schmerzhaft ist, wird sie kaum mehr eingesetzt.

ICDs sind in der Lage gefährliche und harmlosere Rhythmusstörungen anhand ihres Entstehungsortes (Vorhof  oder Ventrikel) zu unterscheiden (diskriminieren). Hierbei „schaut“ der ICD, ob die Herzfrequenz nur infolge körperlicher Anstrengung oder aufgrund einer gestörten Erregungsleitung im Herzen ansteigt. Haben die schnellen Schläge ihren Ursprung im Vorhof,  weil der Patient beispielsweise gerade sportlich aktiv ist, hält sich der ICD bewusst zurück. Entstehen Tachykardien aber grundlos in den Kammern, startet der ICD gezielte Maßnahmen, um das Herzrasen möglichst zügig zu unterbrechen. Registriert der ICD, dass der Herzschlag  trotzdem schneller wird und das Herz zu flimmern beginnt, lädt er binnen weniger Sekunden einen Hochenergieschock hoch, der die Rhythmusstörung effektiv beendet (Defibrillation).

Durch die lückenlose Überwachung erkennt der ICD genau, wann eine Therapie abgegeben wurde und wie das Herz reagiert hat (Erfolgskontrolle). Sollte es zu dem seltenen Fall kommen, dass das Herz auch nach der Defibrillation nicht wieder normal schlägt, können gegebenenfalls weitere Schocks durch das Gerät abgeben werden.

Neben der Defibrillation können ICDs zum Teil auch die Funktion eines Herzschrittmachers übernehmen. Denn sie erkennen ggf. auch, dass das Herz zu langsam arbeitet und haben so die Möglichkeit unterstützende Impulse auszusenden (antibradykarde Stimulation).

 

Wie fühlt sich ein Hochenergieschock an?

Die Schockabgabe eines ICDs wird von den Patienten unterschiedlich stark empfunden. Einige Patienten bemerken den Schock kaum, andere beschreiben ihn wie einen starken Tritt vor ihre Brust. Wie genau sich ein Schock anfühlt, lässt sich daher nicht verallgemeinernd sagen. In vielen Fällen verliert der Patient noch das Bewusstsein, bevor der Schock ausgelöst wird.  

Eng damit zusammen hängt die Frage, wie viele Schocks ein Patient im Laufe seines Lebens oder der Lebensdauer des Implantats  erhalten mag. Auch hier variiert die Angabe nach Krankheitsbild, Schweregrad und Persönlichkeit des Patienten stark. So erhalten einige Patienten viele Jahre keinen einzigen Schock, andere Patienten hingegen umso häufiger. Statistisch betrachtet erleiden die meisten Patienten maximal ein- bis zwei Schockentladungen in ihrem Leben.

Viele ICD-Patienten sind vor und nach der ersten Schockabgabe stark verunsichert. Selbsthilfegruppen und der Kontakt zu Mitbetroffenen können helfen, mit dieser Situation besser umzugehen. Kontaktadressen in Ihrer Nähe erhalten Sie hier.

 

Wer benötigt einen implantierbaren Defibrillator?

Die Implantation eines Defibrillators (ICD) wird in der Regel empfohlen, wenn der Patient in der Vergangenheit schon  Kammerflimmern hatte und dadurch eine Wiederbelebung erforderlich wurde (Sekundärprävention). Neben Menschen, die bereits einen  Herzstillstand überlebt haben, gibt es solche, die ein nachweislich erhöhtes Risiko haben, Kammerflimmern zu erleiden, bislang aber unbelastet waren. Auch diese Patienten werden prophylaktisch häufig mit einem ICD-Gerät versorgt, um einem plötzlichen Herztod im Notfall vorzubeugen (Primärprävention). Verschiedene Studien belegen, dass die ICDs deutlich dazu beigetragen haben, die Sterblichkeit von Risikopatienten zu verringern.

 

 

„Als ich zu Hause bewusstlos wurde, hat meine Frau sofort den Notarzt gerufen. Nach der Wiederbelebung wurde dann später in der Klinik ein ICD implantiert. Seitdem hat mir dieses Implantat schon zweimal das Leben gerettet. So ein Erlebnis geht nicht spurlos an einem vorüber. Ich bin sehr dankbar, dass ich den ICD habe und schätze mein Leben inzwischen noch mehr. Ich genieße jeden Tag meines Lebens und die Zeit mit meiner Familie und Freunden.“

 

 

 

Defibrillatortherapie

 

 

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